Diesen Beitrag habe ich in 2 Teile verfasst. Der erste Teil beschäftigt sich überwiegend mit dem Thema „warum man für seine Arbeit nicht brennen muss“ und der zweite Teil behandelt, warum die „Routine“ absolut willkommen ist.

Zum 2. Teil „Ein Hoch auf die Routine“

Das Brennen und die Leidenschaft zu einer Bedingung zu machen für ein glückliches und befriedigendes Arbeiten, ist in meinen Augen eine fatale Fehlentwicklung und macht viele Menschen unglücklich.

 

 

Teil 1: Warum man für Arbeit nicht brennen muss

Was läuft falsch bei mir, wenn ich bei meiner Arbeit kein Brennen und keine Leidenschaft verspüren kann?

War alles so falsch in meinem bisherigen Berufsleben? Ich habe meine Jobs immer mit Bravur gemeistert. Jetzt fehlen mir zwei wichtige Eigenschaften. Eigenschaften, auf die man angeblich nicht verzichten kann, wenn man erfolgreich sein möchte.

  1. Ich kann nicht brennen für ein Thema
  2. Ich empfinde keine Leidenschaft für meine Arbeit.

Bei der Recherche zu diesem Thema lese ich immer wieder von der Aussage, dass man für ein Thema brennen muss. Leidenschaft bringt den Erfolg. Für allem in Artikeln für das Thema Online-Marketing, wird das immer wieder so thematisiert.

 

Warum mich das beschäftigt und warum ich das nicht glaube

Leidenschaft und Arbeit bringe ich in meinem Kopf nicht zusammen. Leidenschaft steht für mich in einem völlig anderen Zusammenhang als Arbeit. Ich empfinde Leidenschaft (oder brenne) für meinen Partner, meine Musik, meinen Sport. Ich arbeite gerne, aber arbeiten an sich ist doof.

Da bin ich nicht die Einzige, die das so sieht. Nicht umsonst schießen diese Laptop-Liegestuhl-Business-Konzepte wie Pilze aus dem Boden. Jeder würde gerne hunderttausende von Euro kassieren mit nur 2 Stunden Arbeit am Tag. Bestimmt nicht, weil die alle das Arbeiten so prickelnd finden.

Normalerweise habe ich nur noch 3 Jahre, bis ich im Jahr 2024 in Rente gehe. Unvorstellbar für mich. Mir geht es gut, obwohl ich nicht ganz gesund bin. Dafür mache ich jeden Morgen, noch im Bett liegend, eine Dankbarkeitsübung, dass ich trotzdem noch alles schaffe, was ich mir vornehme. Ernsthaft. Ich werde so lange arbeiten, bis ich nicht mehr kann.

 

Meine Zeit ist mein höchstes Gut

 Trotzdem beschleichen mich Gedanken. Es geht um das letzte Drittel in meinem Leben. Na ja, vielleicht auch weniger. Ich möchte dieser Zeit besondere Achtsamkeit schenken. Spaß soll mir die Arbeit machen und ich möchte Werte schaffen, die auch anderen Menschen dienlich sind. Seelig in der Vorstellung, dass mich die Arbeit dabei auch noch leben lässt, gehe ich voller Zuversicht in mein letztes Berufsdrittel. Meine Zeit ist mir wichtiger denn je. Mein höchstes Gut.

 

Was trieb mich an und treibt mich heute noch?

Ich will so frei und unabhängig sein wie möglich. Das funktioniert nur in selbständiger Arbeit und nicht in einem Angestelltenverhältnis.

In einem Arbeitsverhältnis ist man aber nie frei und nie unabhängig. Ganz selten, dass meine Umlaufbahn einer dieser Menschen kreuzte, der all das in einem Angestellten-Job vereinen konnten. Ich glaube, so einen Angestellten habe ich nicht kennengelernt.

Es sind eher die Selbständigen, die von Freiheit und Unabhängigkeit sprachen und immer noch sprechen. Meistens unter großen Entbehrungen. Ein Zuckerschlecken war Selbständigkeit noch nie und schon gar nicht in diesem Deutschland. Die Brocken, die einem in den Garten geworfen werden, werden immer größer. 

Nach knapp 25 Jahren als Angestellte wagte ich dann den Sprung in die Selbständigkeit, was ich bis heute nie bereut habe.

 

Was würdest Du tun, wenn du wüßtest, dass du nicht scheiterst?

Genau diese Frage habe ich mir immer wieder gestellt. Ich habe einfach so getan, als wenn ich gar nicht scheitern kann. Allen gut gemeinten Ratschlägen zum Trotz. Meine Entscheidung gegen einen sicheren Job und für die unsichere Selbständigkeit, waren immer gezeichnet vom brennenden Wunsch nach Freiheit und meiner persönlichen Unabhängigkeit.

 

Und da ist das Wort BRENNEN gefallen

Man kann für eine Meinung brennen. Man kann für eine Person brennen. Man kann für ein Hobby brennen. Man kann für eine politische Sichtweise brennen und für Freiheit und Unabhängigkeit.

 

Kann man auch für Arbeit brennen?

Ich jedenfalls nicht. Für Arbeit habe ich nie gebrannt. Arbeit war Mittel zum Zweck, für Freiheit und Unabhängigkeit in meinem bescheidenen Rahmen. In so vielen Beiträgen lese ich, dass man für eine Arbeit/Job/Nische (Letzteres im Zusammenhang mit Online-Marketing) etc. brennen muss, um erfolgreich zu sein. Kann ich sogar nachvollziehen. Als ich 1998/99 meine Selbstständigkeit begann, begeisterte ich mich für das Thema „Computer reparieren“. Ich legte sehr viel Energie in dieses Thema und meinem Vorhaben. Dafür bekam ich drei Jahre später nennenswerte Erfolge als Lohn. Begeisterung für eine Sache, oder eine Aufgabe, muss man schon haben. Leidenschaft gehört woanders hin und brennen sollte die Muskulatur beim Sport.

 

Hat diese Sichtweise etwas mit dem Alter zu tun?

Ich denke NEIN. Ich war nie eine bequeme Mitarbeiterin, aber immer eine sehr gute Arbeitskraft. Ich wusste was ich wollte und vor allem wohin ich wollte. Ich hatte ein sicheres Gespür dafür, was mir auf dem beruflichen Wege dienlich war und was genau mich aufhielt. Das alles vor dem Hintergrund, dass Probleme nur dafür da sind, um gelöst zu werden. Das ist heute noch so. Ich arbeite immer noch sehr gerne. Ich bin älter geworden bin und auch erfahrener, aber diese Sichtweise auf Arbeit und arbeiten hatte ich immer schon.

 

Stellenbeschreibungen fangen mit großen Lügen an

Die Wirklichkeit meines Arbeitsalltages hat mich oft enttäuscht. Von Anfang wurden mir Lügen zum Thema Arbeiten aufgetischt. Schon die Stellenbeschreibungen fangen mit großen Lügen an.

Wir haben die Arbeit so bedeutungsschwanger gemacht, dass nur das Arbeiten einen Platz in dieser Gesellschaft findet. Nur mit Arbeit sind wir ein Teil dieser Gesellschaft. Durch den Arbeitsplatz sind wir etwas Wert. Je höher der Wert unserer beruflichen Tätigkeit angesetzt ist, desto vollwertiger unsere Gesellschaftsfähigkeit und Zugehörigkeit.

Die Höhe des Einkommens macht uns nur begrenzt unabhängig und der Preis dafür ist in keiner Währung der Welt zu beziffern.

 

Wie geht es Arbeitslosen?

Arbeitslose leiden in jeder Beziehung. Arbeitslose erkranken ernsthaft je länger die Arbeitslosigkeit andauert. Arbeit zu verlieren ist für die meisten Menschen fast schon ein traumatisches Erlebnis. Ohne Arbeit wird es oft sehr einsam um uns, Freunde wenden sich ab. Ich könnte die Liste fortsetzen, sprengt aber den Rahmen dieses Beitrages.

 

Wie sieht unser Arbeitsleben heute aus?

Studien sind für mich immer eine willkommene Literatur. Die Ergebnisse der bekanntesten Studie zur Mitarbeiterbindung liefert Gallup. Der Engagement Index Deutschland liefert Zahlen zur Arbeitszufriedenheit.

http://www.gallup.de/183104/engagement-index-deutschland.aspx

Seit Jahren sind über 30 Millionen Arbeitnehmer frustriert. Nur 15 Prozent aller Beschäftigten brennen für ihren Job und identifizieren sich mit ihrem Arbeitgeber. Seit Jahren geht das so.

Aus meiner Vergangenheit kann ich berichten, dass ich in Unternehmen tätig war, von denen ich einfach weiß, dass eine Handvoll Mitarbeiter den Laden am Laufen hielten. Diese Handvoll Mitarbeiter waren so hoch motiviert, dass sie das Unternehmen gerockt haben. Die restlichen Mitarbeiter schwammen so mit. Dass ist eine geringschätzende Aussage der „restlichen Mitarbeiter“ gegenüber. Der Dienst nach Vorschrift ist in Deutschland so negativ besetzt, dass wir damit die meisten Menschen der arbeitenden Bevölkerung abqualifizieren.

 

Dienst nach Vorschrift wird abqualifiziert

Damit stoße ich 85 Prozent der arbeitenden Bevölkerung vor den Kopf und ich entschuldige mich auch gleich dafür. Natürlich meine ich das ganz anders. Nicht die Menschen mit ihrer angeblich fehlenden Einstellung zur Arbeit ist das Übel. Sie sind auch der Motor unseres Wirtschaftslebens. Nicht nur die Arbeitgeber des viel zitierten Mittelstandes.  

 

Stelle dir vor 85 Prozent bleiben zuhause

Die kommen nicht zur Arbeit. Die bleiben mal fort. Das erinnert mich an den Ausspruch „stelle dir vor es ist Krieg und keiner geht hin“.

Ob die 15% der hochmotivierten, brennenden und mit Leidenschaft erfüllten Mitarbeiter jetzt allein das Geschäft führen?

Für mich heißt das im Umkehrschluss, dass ein Brennen und die Leidenschaft im Job nicht ausschlaggebend sein können. Das Brennen und die Leidenschaft zu einer Bedingung zu machen für ein glückliches und befriedigendes Arbeiten, ist in meinen Augen eine fatale Fehlentwicklung und macht viele Menschen unglücklich.

Dann frage dich einmal, was bei diesen Menschen falsch laufen soll? Sie brennen nicht bei der Arbeit? Sie erfüllen Ihre Arbeit nicht mit Leidenschaft? Was ist denn los bei denen?

Genauso sehe ich das für alle die Menschen, die eine Selbständigkeit anstreben. Obwohl das Persönlichkeitsprofil schon etwas anders aussieht. Du brauchst ein

  • Alleinstellungsmerkmal, Okay
  • du brauchst Expertenwissen, Okay
  • du musst brennen für ein Thema?
  • die Leidenschaft muss dich packen?

Für den Weg in die Selbständigkeit musst du fleißiger sein als irgendein Angestellter. Du brauchst Durchhaltevermögen. Expertenwissen und Alleinstellungsmerkmale sind wünschenswert und hilfreich, aber notwendig sind sie nicht, genauso wenig wie „Brennen“ und Leidenschaft.

Insgesamt wird es zum großen Thema der Selbständigkeit im Alter noch einige EXTRA-Beiträge geben.

 

 

Muss das so sein? Es wird nicht hinterfragt

Ich muss nicht brennen und leidenschaftlich sein, um einen guten Job zu machen. Obendrauf musst du dich ständig neuen Herausforderungen stellen. Wärst du nicht froh, wenn sich eine Routine einstellen würde? Gewohnheiten und Routinen sind alles andere als langweilig.

Im zweiten Teil geht es genau darum:  Ein Hoch auf die Routine

 

Wieviel Sterne vergibst du?
 
Summary