Verkleinerst du auch dein Zuhause? Ich konnte eine Sache kaum loslassen!

Wir alle wissen was es bedeutet, wenn wir unser Zuhause verkleinern möchten. Mal abgesehen von der Arbeit, müssen wir uns ganz schön auseinandersetzen mit den Dingen unseres Haushaltes oder der Kleidung. Kann das weg, oder ist das Kunst? Das Verkleinern bedeutet manchmal eine höchst emotionale Entscheidung.  Wenn wir uns von Besitz trennen, ob gewollt oder unfreiwillig, ist das ein Prozess, der ziemlich ähnlich für uns alle abläuft. Ob ein Haus oder eine Wohnung zu groß ist, oder einfach nur der Keller aufgeräumt werden muss, sich von Ballast jeglicher Art zu trennen, ist nicht immer trivial.

Bei mir war es so, dass ich durch eine Heirat und zwei Todesfälle insgesamt vier Haushalte, inklusive meinem eigenen Haushalt, irgendwie zusammenbringen musste und zunächst auch wollte. Du hörst schon in der Formulierung das „irgendwie“, denn der Platz in der Wohnung gab das eigentlich nicht her. Mein Mann und ich wohnen auf ganz normalen 80 Quadratmetern.

 

Zuerst beseitigen wir den Müll, 

der sich in unseren Häusern und Wohnungen angesammelt hat. Je mehr Platz, desto mehr Müll. Dazu gehören die Dinge, die uns wirklich nicht wichtig sind, oder die uns vielleicht nie wichtig waren. Die Dinge waren einfach da. Wir entsorgen alte Kisten mit Gegenständen, die wir seit Jahren nicht mehr benutzt haben. Lange vergessene Kartons mit Büchern, die sich im Keller stapelten. Vielleicht nicht gleich fortwerfen, sondern fortschenken an Antiquariate oder in Sozialkaufhäuser. Das ist der einfache Teil.

 

Dann eliminieren wir andere Besitztümer,

weil wir uns dafür entscheiden, unsere Umgebung zu vereinfachen und aufzuräumen. Das erfordert mehr Überlegung und Planung und ist sicherlich etwas schwieriger.

 

Später die Dinge, die sich wie ein Teil unseres Lebens anfühlen

und manchmal auch immer noch sind. Dinge, die für uns eine Geschichte erzählen und uns etwas bedeuteten. Dinge, die wir eigentlich nie wieder loswerden wollten. Dies ist der schwierigste Teil. 

 

Emotionale Dinge abzugeben, bedeutet Erinnerungen loslassen 

Zu meinem Glück hatte ich nicht ein emotional besetztes Möbelteil, aber dafür umso mehr Geschirr und Gläser und ein paar andere Kleinigkeiten, die aber zusammengenommen, richtig viel Platz für meine Verhältnisse brauchten. Das gute Geschirr von Mutter mit dem Goldrand. Es war in unserem Wohnzimmerschrank, solange ich mich erinnern kann. Es war bei allen Familienveranstaltungen und Feiern dabei. Wie das so war früher. Sonntags und zu Familientreffen wurde das gute Geschirr herausgeholt und eingedeckt.

VERKLEINERN SIE AUCH IHR ZUHAUSE ICH KONNTE DIESE EINE SACHE NICHT LOSLASSEN

Bild von Esther Merbt auf Pixabay

Platten für Russisch Ei 

Es gab nichts Besonderes an diesem Geschirr. Außer der Tatsache, dass es ihres war. Es war ein Teil meines Lebens und meiner Erinnerungen an unsere Familie. Es war mehr als nur ein Geschirr. Es war Familienessen, Versammlungen und Feiertage. Es gab noch Platten für „Russisch Ei“ zum Beispiel. Als ich diese Cromarganplatte in meinen Händen hielt, hatte ich Mutter vor meinen Augen, wie sie mit ihren Händen sorgfältig die halben Eier garnierte. Hübsche Vasen, gestickte Servietten, wirklich schöne Stoffservietten und andere dekorative Haushaltsdinge und jede Menge Schnickschnack.

 

Vergangenes Glück 

Es erinnerte mich an eine Zeit, als unsere ganze Familie am Esstisch saß, plauderte und lachte und manchmal auch die Welt diskutierte. Es erinnerte mich an eine vergangene Zeit, als meine Mutter lebendig und glücklich war. Eine Zeit, bevor sie so krank wurde und die Demenz ihr Leben beherrschte.

 

Symbole für Gefühle und Erfahrungen 

Ich denke, dass dies für viele von uns eine gemeinsame Erfahrung ist, wenn wir aufräumen und verkleinern. Es fällt uns schwer, bestimmte Gegenstände loszulassen, weil wir emotional an das gebunden sind, was sie symbolisieren. Wir wollen an den Gefühlen und Erfahrungen festhalten, die sie für uns darstellen.

 

Überlegungen für das Loslassen dieser Gegenstände

Gegenstände aus unserer Vergangenheit, die starke Erinnerungen und Bedeutungen für uns haben, zwingen uns dazu, unser Leben in der Gegenwart zu überdenken.

Frage dich, ob diese Bedürfnisse in der Gegenwart immer noch erfüllt werden, aber auf andere Weise als in der Vergangenheit, mit anderen Menschen, Umgebung und Denkweise. Wenn sie es sind, sei einfach  dankbar. Wenn dies nicht der Fall ist, frage dich, was du tun könntest, um dieses Bedürfnis zu erfüllen.

 

Zurücktreten 

Trete in Gedanken ein Stück zurück und betrachte die Situation mit Abstand. Was genau ist so wichtig für dich? In meinem Fall symbolisierte das Geschirr mit dem Goldrand Geborgenheit und Freundschaft der Familie. Unbedingt auch Geselligkeit. Ich liebte diese Art von Geselligkeit. Es ist ein Wert und ein Bedürfnis, das ich immer verspürte und auch heute nicht missen möchte.

 

Loslassen macht frei im Hier und Jetzt

Der Tag, an dem alles aus dem alten Haushalt meiner Mutter an eine lokale Wohltätigkeitsorganisation gespendet wurde, begann mit Herzklopfen und einem mulmigen Gefühl. Ich hoffte, alles findet glückliche andere Besitzer. Am Abend war ich frei, frei von allem Bauchweh und dem mulmigen Gefühl. Eine Last war von mir gefallen. Ich glaube, es war die Last der Entscheidungsfindung. Hast du dich entschieden und dich von allem getrennt, entsteht wieder neuer Raum. Raum für neue Gefühle der gleichen Art nur in anderer Zeit und mit anderen Menschen. Im Hier und Jetzt.

Wir brauchen keine materiellen Gegenstände, um uns an die Vergangenheit zu erinnern. Die Erfahrungen und die Erinnerungen sind jetzt in uns und werden es auch in Zukunft sein. 

 

Es gibt einen Gegenstand, den ich aufgehoben habe.  Einen Eiswürfelbehälter.

Der Einswürfelbehälter ist so groß, dass ich ihm eine wunderbare sichtbare Nische einrichten konnte.  Fällt mein Blick darauf, habe ich ein gutes Gefühl.  So habe ich außerdem einen Kompromis schließen können. Einen Gegenstand als Erinnerung behalten, alles andere hergeben. 

 

Eiswürfelbehälter

Bild Eiswürfelbehälter: Barbara Wrana

Hast du schon angefangen, deinen Besitz zu verkleinern?

Oder überlegst du noch?

 

Was fällt dir schwer, loszulassen? Was glaubst du, wie du dich fühlen wirst, wenn du dich davon löst? Bitte beteilige dich an der Konversation und sende mir einen Kommentar. Andere Menschen interessieren sich auch für deine Geschichte.

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