Erst nach 36 Monaten wurden meine 2 Kater Freunde

Erst nach 36 Monaten wurden meine 2 Kater Freunde

Erst nach 36 Monaten wurden meine 2 Kater Freunde

 Am 21, Juli 2018 haben wir Rocky in Empfang genommen. Damals hieß er noch Orejon, das spanische Wort für Knickohr. Es sollte ein schwieriger Weg werden für die Kater Romeo und Rocky. Erst nach 36 Monaten wurden meine 2 Kater Freunde.  Hier liest du über die Vergesellschaftung von zwei Kater, die Schwierigkeiten und warum es sich lohnt, auch fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen. 

Ich gehe nicht ein auf die immer fortwährende Frage, ob Wohnungskatzen nun besser alleine sein sollten, oder doch mit einem Artgenossen ihr Dasein fristen. 

 

Um die zwei Kater geht es:

ROCKY

Maincoon

ca. 9 Jahre

 

ROMEO

EKH, Hauskatze

ca. 10 Jahre

Im Juli 2018 war es so weit. Wir konnten Rocky abholen.

Zunächst wollten wir beide Kater getrennt voneinander halten, um die Gewöhnung langsam vorzunehmen. Ich hatte meinen Romeo gut in Erinnerung anläßlich einer kurzen Pflegschaft einer anderen Katze. Da wurde aus meinem so liebevollen Charmeur ein wilder Tiger. Ist aber alles gut gegangen.

Diesmal sollte es schonender für Romeo von statten gehen. Rocky wurde im Wohnzimmer aus seinem Transportkorb frei gelassen. Ein bischen dünn und etwas zerrupft sah er aus. Ganz anders als Maincoon´s so aussehen. Neugierig ging er gleich los wie ein Rocker. Breiter Pfotenstand, könnte man sagen, irgendwie ungelenk. Futter nahm er sofort an, Wasser wurde ebenfalls sofort genommen. Er lief mutig überall entlang. Von verstecken keine Spur. Eine Namensänderung drängte sich angesichts seines Verhaltens auf: Rocky der Rocker. Das Bild rechts entstand ca. 10 Wochen später. Er hat sich ziemlich schnell erholt. Das der Rocker Rocky seinem Namen alle Ehre machte, konnten wir zu diesem Zeitpunkt nicht einmal erahnen.

 

Maincoon Rocky im September 2018

Der Sprung aus dem Fenster in die Wiese

wiese unter dem wohnzimmerfenster

Wiese unter dem Wohnzimmerfenster

Nun, es war heiß im Sommer 2018. Ihr könnt Euch erinnern? Superheiß. Unser Wohnzimmerfenster blieb geschlossen. Bis Besuch kam. Wir hatten zwar darüber berichtet, dass ein neuer Katzenmitbewohner im Wohnzimmer Einzug gehalten hat, aber trotzdem öffnete dieser Besucher das Fenster.  Er hatte schlicht nicht damit gerechnet, dass dieser doch fremde Kater gleich auf die Fensterbank springt.

Ich war kurz in der Küche. Zurück ins Wohnzimmer sah ich nur noch wie Rocky am Fenster sitzt und sich erschreckte. Mit einem Riesensatz sprang er aus dem Fenster in die Wiese. Wir wohnen Hochparterre.

 

Schock und große Sorgen

Ich kann euch mit Worten nicht beschreiben, was ich in diesem Moment empfand. Kalt und heiß fuhr es gleichzeitig in meine Glieder. Erstarrt vor Schreck. Ich weiß nicht mehr, wie ich zum Fenster gelaufen bin. Ich sah an meiner neuen rothaarige Katerschönheit gerade noch die Schwanzspitze. Ein Kater, der gerade mal ein paar Stunden in einer völlig neuen Umgebung garantiert keine Wurzeln geschlagen hatte. Wie sollte der Kater zurückfinden?

Wir sind sofort los und haben gesucht. Er wurde noch einmal kurz gesehen an den Garagen vorbei Richtung Feld. Keine Chance, ihn zu ergreifen. So klobig wie er zunächst aussah, so schnell war er nun unterwegs.

Ich habe sofort eine Anzeige Bei Tasso aufgegeben. Es dauerte auch nicht lange, dass „Tierisch Happy“ anrief. Tierisch Happy war die Vermittlungsstelle in Bad Camberg. Was ist passiert? Ausgebüxt? Sie hatte es gleich durch die Tasso Vermisstenmeldung mitbekommen. Die Vermittlerin von Tierisch Happy war klasse. Sie hat mir gleich Hilfe angeboten und sich sehr gekümmert.

 

Nächtliche Suchhilfe

Mitten in der Nacht bekamen wir weitere Unterstützung für das Suchen. Eine ehrenamtliche Mithelferin von Tierisch Happy kam samt Lebenspartner und bot Suchhilfe an. Mit Taschenlampen bewaffnet gingen wir los. Leider ohne Erfolg. Er kann doch nicht weit sein, oder? Die Fantasie spielt Streiche und alle Horrorszenarien nisteten sich in unserm Kopfkino ein. Das war eine schlimme Nacht.

 

Der Futternapf brachte ihn morgens um 4 Uhr zurück

Die junge Frau empfahl uns, einen Futternapf dorthin zu stellen, wo Rocky runtergesprungen ist. Das taten wir. Da wir Hochparterre wohnen, haben wir einen sehr guten Überblick auf das Wiesengelände vor unserem Wohnzimmerfenster. Dank der lauen Sommernacht blieb ich auf unserem Balkon die ganze Nacht wach. Was ich da alles zu sehen bekam. Ein Igel machte sich über mein Katzenfutter her. Okay, ich habe ihn fressen lassen. Als das Schmatzen nicht mehr zu hören war, füllte ich den Napf wieder auf. Das war auch gut so, denn morgens um 4.00 Uhr sehe ich ihn, den Rotschopf. Er lebte. Gott sei Dank. Insgesamt war Rocky nur 12 Stunden verschollen.

Ich habe ihn einfangen können, um die Geschichte an dieser Stelle zu kürzen. Nicht aufgeben und sich helfen lassen von erfahrenen Menschen. Sie helfen und trösten und habe wirksame Tipps auf Lager.

 

Tierpsychologin nach nächtlichen Attacken von Rocky

Ich habe lange überlegt, ob eine Tierpsychologin etwas übertrieben ist. Gott sei Dank investierte ich richtig an dieser Stelle. Meine anfängliche Skepsis wich schnell. Frau Asmuß kam und klärte mich auf. Einige Videos von den nächtlichen Attacken seitens Rocky, sendete ich ihr zuvor zu. So konnte sie sich einen Eindruck von dem Problem verschaffen.

Rocky machte seinem Namen alle Ehre. Er drosch auf meinen Romeo ein. Der arme Romeo. Der wehrte sich zwar, aber ich wollte diesem Treiben nicht ohne weiteres zuschauen. Ich beobachtete nämlich, wie Romeo sich veränderte. Er wurde zunehmend schreckhafter und  mir und meinem Mann gegenüber sehr zurückhaltend. Ich hatte ein schlechtes Gewissen. Dabei meinte ich es nur gut. Romeo war vorher auch mit einem Kater zusammen und nie alleine. Es konnte so nicht weitergehen. Ich brauchte mehr als gute Ratschläge aus den Internetforen und von Katzenfreundinnen.

 

Guter Rat ist teuer, aber er nützt auch etwas

Die Psychologin war professionell aufgestellt. Spieltherapie für einen hyperaktiven Kater stand an. Ja, richtig Arbeit war das und alles andere als ich ursprünglich geplant hatte.

Ich erfuhr, dass jede Attacke vom NEUZUGANG Rocky, gar nicht so böse gemeint ist. Die Begutachtung der Videos ließ diese Interpretation zu. Rocky ist einer der überaktiven Kater, die eine entsprechende Auslastung benötigen. Und ja, er wurde ruhiger, nicht nur durch eine Spieletherapie.

 

3 Jahre später ist Rocky angekommen und von Romeo akzeptiert

Drei Jahre später, läuft es auf ein Verhältnis des gegenseitigen Respektes hinaus. Es wird sich geprügelt zweimal am Tag (1 mal morgens und 1 mal abends). Aber auch Nachlaufen ist angesagt.  Die Kater gehen sich überwiegend aus dem Weg, nur beim Futtern entwickeln sie Gemeinsamkeiten, tauschen auch schon mal den Fressnapf. Der Gang auf die Katzentoiletten ist immer friedlich, selbst wenn beide gleichzeitig das KaKlo aufsuchen müssen.

Was mich besonders freut am Abend: Da wollen beide bei mir sitzen und manchmal kommen sich die Kater dabei richtig nahe. So wie auf der Fensterbank unseres Balkons.

 

Kurzbeschreibung: was machen die beiden heute?

Rocky ist nicht nur ein Name, sondern Programm. Dieser Kater ist ein Rocker. Er spielt wie ein Rocker, er läuft wie ein Rocker.

Wie ein Halbstarker. Das „Knickohr“ ist äußerlich zu sehen, aber innen ist Rocky alles andere als geknickt. Sehr selbstbewusst, das Knickohr. Rocky ist Besuch egal, er bleibt auf seinem Platz, blinzelt mal hoch und läßt sich auch anfassen. Auf keinen Fall läuft er fort oder versteckt sich.

Romeo ist auch selbstbewusst, aber insgesamt viel ruhiger. Außer in seiner Lautgebung. Romeo ist eine Sprechkatze. Nichts bleibt unkommentiert. An der Art des Miauens erkenne ich schon, ob es sich einfach mal meldet, oder ob er etwas einfordert. Er liegt ständig bei mir und läßt sich von mir immer anfassen. Romeo mag Besucher gar nicht. Er ist sehr, sehr wählerisch. Meistens mag er die Frauen mehr als die Männer. Er läuft fast immer fort, wenn jemand schellt.

Mut für mehr Geduld

Ich hatte immer Glück mit einem Mehrkatzenhaushalt. Das es auch anderes sein kann, habe ich versucht zu schildern. Ich hätte niemals gedacht, dass einige Dinge so viel Zeit brauchen. Zeit bedeutet manchmal mehrere Monate und wie bei uns fast 2 Jahre. Selbst heute noch gibt es Mini-Fortschritte und immer wieder mal Überraschungen. Gott sei Dank positive Überraschungen.

Wie ahnungslos ich war und wie gut, dass es so fähige Menschen gibt, die sich für unsere Haustiere engagieren.

Danke an dieser Stelle für alle mir zu Teil gewordenen Hilfen von Tierisch Happy (Bad Camberg) und Frau Asmuß (Darmstadt)

Tierische Grüße von Romeo und Rocky
und menschliche Grüße Othmar und Barbara

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