Das Gendern geht mir auf die Nerven und gegen mein Sprachgefühl

 

Mir erschließt sich nicht der Sinn der feministischen Sprachkritik. Ich könnte nur noch würgen.

Ist euch auch aufgefallen, dass Politiker und viele andere Personen des öffentlichen Lebens, allen voran unsere öffentlichen Sendeanstalten, sich fast dabei verschlucken, wenn sie gendern? Es bleibt ein Gestammel von Genossen und Genossen, Politiker und Politiker. Das …innen hört man kaum noch. Ich finde, wenn schon gendern, dann deutlich sprechen bitte.

Die absolute Spitze ist allerdings, dass das Sternchen jetzt mitgesprochen wird. Am Ende höre ich nur noch die weibliche Form.  Es gibt nur noch Bürger*innen, Polizist*innen, Lehrerinnen, Besitzerinnen, Fahrerinnen etc. Ist das nicht unglaublich?

Ich bin eine Frau. Wenn ich das …innen am Ende nicht höre, fehlt mir nichts.  Aber schreien könnte ich, wenn Frauen wieder einmal für gleiche Arbeit schlechter bezahlt werden.

 

Da wird man sich schon dran gewöhnen, heißt es.

Ach ja? Wahrscheinlich stimmt das sogar. Die Deutschen gewöhnen sich an alles, oder? Ich würde mich aber viel lieber daran gewöhnen, dass überall gleicher Lohn für gleiche Arbeit bezahlt wird. Wäre das nicht viel gerechter als das bescheuerte Gendern? Behandelt man die eine Hälfte der Bevölkerung besser, in dem man gendert?

Ich bin mit Alice Schwarzer und der Emma-Zeitschrift groß geworden.

Ausgesprochen selbstbewusst war die Erziehung meiner Eltern. In meiner Kinderstube gab es für mich Autos, Chemiebaukästen, aber auch Puppenstube und ja, die Farbe ROSA. Einiges habe ich aus dieser Zeit mitgenommen – auch die über 30 Jahre alte feministische Sprachkritik. Ich verstehe auch, dass man 50 Prozent der Bevölkerung in der Sprache wiedererkennen sollte.

Doch was passiert jetzt im Moment. Ich höre nur noch die weibliche Form, weil das Gendersternchen „mitgesprochen“ wird. Höre ich das eigentlich nur. Wo sind die Männer, die jetzt aufschreien und reklamieren. So geht´s doch auch nicht.

Die Forderungen der feministischen Linguistik begann Ende der 1970er/Anfang der 1980er Jahre. Da war ich so Mitte 20. Luise Pusch, eine der Begründerin dieser Ideologie, schrieb u.a. und ich zitiere wörtlich „der Mann braucht dringend eine Abmagerungskur zur Therapie seines immer gefährlicher werdenden Größenwahns“. Frau Pusch sprach damals vom täglichen Frauenmord (Gynozid) durch die Sprache. Sie forderte die totale Feminisierung.

An dieser Stelle höre ich auf, darüber nachzudenken, was Frau Pusch so alles absonderte. Lest selber mal nach und macht euch eigene Gedanken.

Einen Artikel über Luise Pusch gibt es hier https://www.emma.de/artikel/luise-pusch-die-frauensprachlerin-313069

Ich gebe zu bedenken: Hätte Frau Schwarzer und Ihre Kolleginnen nicht so gekämpft und hier und da übertrieben, auch für meinen Geschmack, wäre wahrscheinlich von der feministischen Bewegung gar nichts geblieben. Ich war eine glühende Verehrerin von Alice Schwarzer und Gefolge. Manchmal bedarf es der Überdimensionierung, damit am Ende etwas herauskommt. Rückblick nur deshalb, weil ich die Ursprünge dieser Sprachpolitik mitbekommen habe.

Hat Sprache damit zu tun, wie wir heute das Frauenbild in dieser Gesellschaft wahrnehmen ?

 

Mit einer immer größer werdenden Vehemenz versucht man seit Jahrzehnten, die ungleiche Behandlung von Frauen in der Gesellschaft mit einer Sprachideologie zu bekämpfen. Eine andere soziale Realität wird sich meiner Meinung nach nicht durch eine andere Sprache einstellen. Im Gegenteil. Ich finde es sehr hinderlich.

Wenn es Vorurteile gibt, nützt das bloße Austauschen von Worten gar nichts. In meiner Berufswelt wurden noch „Behinderte“ oder „Invaliden“ eingestellt. Das durfte man irgendwann nicht mehr sagen. „Mensch mit Handicap“ oder „Mensch mit besonderen Bedürfnissen“ war richtiger. Hatte allerdings jemand Vorurteile gegen einen behinderten Menschen, so waren die Vorurteile nicht verschwunden wegen eines anderen Begriffes. Vielmehr wurde der neue Begriff des Öfteren veralbert.

Heute fühle ich mich gegängelt. Bevormundet, was meine eigene Sprache angeht. Das Lesen so mancher Texte, vor allem Behördentexte, sind mir zu wider. Mir ist schon klar, dass bestimmt Anträge auch gar nicht verstanden werden sollen, um die Hürden besonders hoch zu legen. Jetzt kommt das Gendern noch dazu und viele Texte sind allein deshalb kaum noch zu verstehen. 

Besitze ich noch die Freiheit meine Meinung in der Sprache zu äußern die ich will?

Habt ihr gewusst, dass an manchen Universitäten gegendert werden muss ? Arbeiten von Studierenden müssen gegendert werden, weil sonst Punktabzüge drohen, sie schlechter beurteilt werden? Wo führt das hin?

Wo wird gendern erzwungen? Für mich ganz klar: Fast überall dort, wo Vater Staat die Finger drin hat. Achtet mal auf eure diversen Bescheide des Finanzamtes, Krankenkassen, auch Versicherungen. Das staatsnahe Fernsehen mit seinen Journalisten verbiegt sich sprachlich zunehmend.

Leider habe ich keine Kinder, so kann ich den Schulbetrieb nicht nachempfinden. Vielleicht habt ihr die eine oder andere Stilblüte in den Kommentaren für mich. Interessiert mich wirklich, was die Schule zum Gendern so umtreibt.

Dieses Gendern von OBEN nervt. Ich kann es nicht mehr hören, und wenn ich es trotzdem hören muss, dann bitte sprecht es wenigstens deutlich aus, liebe Politikerinnen und Politiker, Genossinnen und Genossen. Soviel Zeit muss sein.

Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist wirklich minimal. Ich glaube, dass ich keine Ausnahme darstelle mit meiner Aversion gegen das Gendern.

 

Ich bin emanzipiert – habe das garantiert nicht dem Gendern zu verdanken

Vielmehr habe ich selbst darum gekämpft. Als Frau musste ich mich im Job mehr behaupten, als irgendein Mann in gleicher Position. Ich habe immer mehr gearbeitet als Männer in gleicher Position.

Als ich mich in der PC-Branche selbständig machte, war ich in Hessen wahrscheinlich eine der wenigen Frauen in dieser Branche. Wie oft hörte ich vor 20 Jahren: „Also Mädchen (ich war damals 40 !!!), ob du das kannst? Festplatten einbauen? Arbeitsspeicher austauschen? Weißt du überhaupt wofür die Funktionstasten da sind?“ Solche und andere brüllende Unverschämtheiten haben wir nicht der Sprache zu verdanken, sondern dummen Männern (sorry dafür), die in diesem Leben den Schuss nicht gehört haben.

Im Gegenzug habe ich Männer kennengelernt, schlaue Männer, die mich in meinen Vorhaben unterstützten, wie sie das auch für ihr eigenes Geschlecht getan hätten. Im Bild zu erkennen ist Fatih Gey, ein schlauer Informatiker. Er unterstützte mich auch anlässlich einer Messe im Jahr 2003 (Bild oben). PC-Arbeiten übe ich heute teilweise noch aus.

Was soll das Gendern? Was soll damit erreicht werden? Doch nicht etwa eine Änderung der Menschen? Eine Art Umerziehung, damit Frauen in dieser Gesellschaft den Platz einnehmen können, der ihnen gebührt? Was will die feministische Sprachideologie, die in meinen Augen sexistisch ist. Deswegen sexistisch, weil jeder Satz auf die Geschlechterebene gehoben wird. Ohne Unterlass wird das biologische Geschlecht in den Vordergrund gerückt. Ätzend. Einfach nur ätzend. Ich könnte mich stundenlang darüber aufregen.

Wollen die feministischen Sprachideologen einen neuen Menschen?

Wer Sprache mit der Absicht, nämlich eines veränderten Bewusstseins, umgestalten will, betreibt eine Art der Umerziehung. Das behaupte ich. Ein Aspekt, der mir die neue Sprache des Genderns höchst suspekt macht. Wollen die feministischen Sprachideologen einen neuen Menschen? Das ist zumindest ein Merkmal jeder Ideologie. Es ist immer mit Sprachpolitik einhergegangen, wenn es um die Schaffung eines neuen Menschen ging. Hatten wir das nicht schon öfter in der Vergangenheit?

Ich bin ein ausgesprochener Science Fiction Fan (oder Fanin?). Deshalb kommt mir George Orwells Roman „1984“ in den Sinn. Orwell hat im Anhang sehr gut erklärt, was mit es mit Newspeak (oder Neusprech) auf sich hat. Wer mehr darüber lesen möchte, schaut auf Wikipedia nach. Neusprech oder Newspeak verlinke ich hier: https://de.wikipedia.org/wiki/1984_(Roman)#Neusprech Ich habe den Film vor meinem geistigen Auge und höre so manche Wörter. Lohnenswert, sich damit zu beschäftigen. Die jüngeren Leser werden erstaunt sein, welche gruseligen Vorhersagungen bereits Wirklichkeit sind.

Man sollte wissen, was das generische Maskulinum ist.

Dafür habe ich auch einen Link und wer mag, tut sich das an: https://sciencefiles.org/2014/02/04/kann-man-so-dumm-sein-teil-ii-generisches-maskulinum-und-wikipedia/ Ich erspare mir an dieser Stelle, darauf ausführlicher einzugehen, weil es die Länge des Beitrages sprengt und ich ehrlich gesagt, davon zu wenig Ahnung habe. Ich hatte aber eine gute Schulbildung und eine ausgeprägte Herzensbildung. Das zusammen führte mich eventuell an die gefühlte Sprache. Sprache ist mehr als nur Worte. Sprache transportiert alle Schwingungen unseres Daseins. Der eine spürt sie, der andere nicht.

Von oben wird uns das Gendern aufgedrückt. Es drückt – ich habe das Wort extra benutzt. Es ist niederschmetternd. Im deutschsprachigen Raum wird viel darüber gestritten und die Sprachverwirrungen treiben Blüten, wie das sonst nur das subtropische Klima eines Regenwaldes schafft.

Es gibt zwei biologische Geschlechter und drei Genera (der, die, das). Es gibt auch Sprachen mit keinem Nominal Genus System: Türkisch! Jawohl – TÜRKISCH

Hätte unsere Sprache eine diskriminierende Wirkung, dann müsste die türkische Gesellschaft, die das Maskulinum nicht kennt, eine besondere Gleichberechtigung vorweisen können, oder?

Alle Formen des Genderns sind in sich widersprüchlich und nicht durchgehend anwendbar

Das Gendern scheitert an den Grenzen der Praktikabilität und Logik, aber vor allem an der Akzeptanz. Es gibt keine Vorteile, aber sehr viel unsinnige Formulierungen, die in die Irre führen. Das sinnerfassende Lesen ist teilweise unmöglich.

Was stellst du dir vor unter drei Lehrerinnen und Lehrern? Ja ernsthaft gefragt. Vielleicht 3 Lehrerinnen und 3 Lehrer, wären zusammen dann 6 Lehrerinnen und Lehrer, oder doch 12? Wir werden mit unsinnigen Sätzen konfrontiert, als sei es das Normalste der Welt. Und keiner meckert, keiner regt sich auf.

 

Schreibweisen?

Nur 20 Prozent aller Managerinnen sind Frauen. So ein Bullshit. Bitte noch einmal lesen, wenn dieser Nonsens nicht aufgefallen ist.

Die LehrerInnen mit dem großen I geschrieben, auch „binnen I“ genannt. Was bedeutet LehrerInnen eigentlich? Ist das „die“ davor überhaupt richtig? Ich habe noch gelernt, dass die Lehrer, die Pauker, immer in beiden Formen gemeint sind. Aber das ist neuerdings falsch. Beide meinen geht nicht. 

Das Handelsblatt schreibt statt binnen I ein Sternchen, also Lehrer*innen. Die Verwendung des Gender-Sterns ist bei den Grünen seit November 2015 (oder 2016) Pflicht. DIE GRÜNEN MAL WIEDER. Einen entsprechenden Beschluss fasste die Partei auf einem Bundesparteitag. 

Starke und kluge deutsche Wörter werden durch wischi waschi Begriffe ersetzt 

Unsere Sprache wird durch das Gendern deformiert, unpersönlich und manchmal der eigentlichen Bedeutung der Worte beraubt. Das ist das schlimmste überhaupt.

Wenn aus einer Ausländerfrage vor lauter Gendern eine Migrationsthematik wird, dann ist die Bedeutung futsch. Eine Ausländerfrage ist eine Ausländerfrage und keine Migrationsthematik.

Was meine ich überhaupt? Es ist okay, wenn ich von „Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland spreche“.  Das halte ich aus. Weil aber eine Ausländerfrage schlecht zur Ausländerinnenfrage werden kann, wird´s kurzer Hand eine Migrationsthematik? Aber- innerhalb einer Migrationsthematik läßt sich keine Antwort finden. Merkt ihr den feinen Unterschied? Will man den Unterschied überhaupt merken, oder ist es politisch so gewollt starke Ausdrücke gegen schwache auszutauschen?

Starke und kluge deutsche Wörter werden durch wischi waschi Begriffe ersetzt, um der Sichtbarmachung der Frauen in der Sprache gerecht zu werden. Was für ein Opfer.

 

Wollen wir Frauen das?

Ich bin alles andere als schreibsicher, geschweige denn, grammatikalisch ein Ass. Aus dem Ruhrpott stammend, habe ich auch meine Probleme mit der „Dativ ist dem Genitiv sein Tod“. Ich habe weder Journalismus studiert noch bin ich Lehrerin. Trotzdem möchte ich allen gendernden Schreibern und Sprechern mal den Stinkefinger zeigen. Seid ihr denn noch zu retten?

Und den Frauen rufe ich zu: Wie bescheuert seid ihr eigentlich? Glaubt ihr wirklich, dass das Gendern in der Sprache euch sichtbarer werden läßt? Da müßt ihr schon andere Geschütze auffahren.

Mit dem Brustton der Überzeugung sage ich: Das Gendern ist eine Schlafpille für euch Frauen und eine Beruhigungspille für alle Männer, die glauben, Sie hätten jetzt genug für die Gleichberechtigung getan.

An die Politiker adressiere ich,  das Gendern zu lassen und für alle Frauen den gleichen Lohn für gleiche Arbeit gesetzlich durchzusetzen. Da hättet ihr wirklich eine gute Tat getan.

Alle Frauen haben ihren Beitrag zum Bruttosozialprodukt geleistet

Die, die Kinder erzogen haben, aber auch die, die kinderlos geblieben sind. Alle standen der Gesellschaft und dem Arbeitsmarkt voll zur Verfügung, wie die Männer auch, aber meistens für gar keinen oder einen viel geringeren Lohn. Müßig zu erwähnen, wie jetzt die Renten für die meisten Frauen aussehen. Schafft da mal Gleichberechtigung und lasst dieses bescheuerte Gendern, dass die Sicht auf die Frauen im Leben nicht verändern wird.

Wir haben in diesem Teil von Europa die beschissensten Renten.

1500 Jahre geschichtliche Entwicklung der deutschen Sprache

Der Kopf ist rund, damit die Gedanken besser kreisen können. Dann lasst es mal kreisen. 1500 Jahre geschichtliche Entwicklung der deutschen Sprache – denkt mal darüber nach! Stilistische Bereicherungen in der Sprache sind mir herzlich willkommen, aber jeder Zwang in der Sprache, so wie er sich augenblicklich darstellt, erzeugt in mir einen Würgereiz.

Die Freiheit des Formulierens lasse ich mir jedenfalls nicht nehmen und werde auf das Gendern verzichten.

Ich bedanke mich für eure Aufmerksamkeit. Das ihr es bis hierhin geschafft habt…Chapeau!

Weitere Links zum Thema

https://geschicktgendern.de/neu-im-duden/

Wieviel Sterne vergibst du?
 
Summary