Google Bewertungen sind überbewertet – dafür sind wir selbst verantwortlich

Google Bewertungen sind überbewertet – dafür sind wir selbst verantwortlich

Google Bewertungen sind überbewertet – dafür sind wir selbst verantwortlich

Eine Sendung im ZDF vom 29. Juli 2019 veranlasste mich damals, diesen Beitrag zu schreiben. Ich habe ihn bei Seite gelegt, bis jetzt. Wieder kam aktuell ein Fernsehbeitrag zum Thema Online-Bewertungen, denn seit Corona kaufen viel mehr Menschen im Internet ein. Ein Grund für mich, diesen alten aktuellen Beitrag hervorzuholen. Er hat an Aktualität nicht verloren. 

Titel des ZDF-Filmbeitrags:
Fakten, Fakes und Kundentäuschungen – Die Macht der Kundenbewertungen aus der Reihe ZDF Info

 

Knapp über 60 Prozent der Bundesbürger lesen Internetbewertungen,

knapp 32 Prozent geben zu, sich davon beeinflussen zu lassen.

Überraschung? Für mich, und wenn ich mich so umhöre bei Freunden, ist das keine Überraschung.

Außerdem glaube ich, dass mehr als knapp 32 Prozent sich beeinflussen lassen. Wer gibt schon gerne zu, sich überhaupt beeinflussen zu lassen. Wir sind doch ALLE freie und mündige Bürger, oder etwa nicht? Ich selbst schaue auf Bewertungen, vor allem in Reiseportalen. Ich weiß, dass einige Bewertungen nicht stimmen. Beim Lesen fällt mir sehr häufig auf, dass für mich bekannte Hotels ganz anderes bewertet werden, als ich das tun würde.

 

Einfach mal das Hirn wieder einschalten

Entweder über den Klee gelobt, oder so grottenschlecht, dass ich mich frage, ob die im gleichen Hotel waren, vielleicht nur einen schlechten Tag erwischt haben, oder ob sie dem Hotel schaden wollen, weil die Bewerter vielleicht sauer sind auf irgendeinen nicht gewährten Rabatt?

Für mich stimmen die Bewertungen in Reiseportalen oft nicht mit dem überein, was ich vor Ort erlebe und erlebt habe. Übrigens im Guten wie im Schlechten. Mittlerweile schenke ich Bewertungen keine Beachtung mehr, oder sehr viel weniger Aufmerksamkeit.

Wir sind selbst dafür verantwortlich, wenn wir alles und jedem Glauben schenken. 

 

1 Woche für 500 Euro Flug und Hotel – und sich dann beschweren

Ebenfalls stutzig werde ich, wenn für ein 3 Sterne-Haus Dienstleistungen und Service eines 5 Sterne-Hotel erwartet werden. Schlicht unsachlich. Überzogene Forderungen für kleines Geld. Da fliegen Menschen für 1 Woche in den Süden. Flug und Hotel für 500 Euro. Sie beschweren sich ernsthaft über zu kleine Zimmer. Sauberkeit sollte überall an der Tagesordnung sein, auch in Billighotels. Aber kleine Räume für diesen Preis? Derartige Bewertungen haben bei mir nur ein Kopfschütteln zur Folge.

 

Die Bewertungsportale im Bereich Medizin sollte man verbieten

Bewertungen für Ärzte und alle Dienstleister, die irgendeinen Eingriff am Körper vornehmen, sollten meiner Meinung nach verboten werden. Okay, ich kann über die blöde Helferin meckern, über die schlechte Parkplatzsituation.

Ich kann den größten Kurpfuscher über den grünen Klee loben und den besten Arzt niedermachen. Was auch häufiger passiert. Gerade Beurteilungen ärztlicher Behandlungen sind gespickt mit persönlichen und subjektiven Eindrücken. Wie will man sachlich, fachlich und kompetent eine Beurteilung schreiben? Und genau an dieser Stelle erwarte ich Beurteilungen, auf die ich mich zu 100 Prozent verlassen kann. Von Ärzten für Ärzte, Fachleute, die sich tagein und tagaus mit dieser Materie beschäftigen.

Wenn ein Fachjournalist vom Focus oder Spiegel eine Ärzteliste herausgibt über die 20 besten Ärzte in Deutschland für eine Krebsbehandlung, schenke ich diesen Berichten und Listen mehr Vertrauen, als der Beurteilung von Lieschen Müller. Weiß ich, ob Lieschen Müller zuvor 2 Jahre mit Kräutern laboriert hat, um sich nun zu beschweren, dass die Schulmedizin es auch nicht mehr richten wird?

 

Warum werden Bewertungen gekauft?

Google-Sterne bringen die Firmen und Anbieter in den Suchergebnissen nach Vorn. Man ist weniger unsichtbar und bekommt mehr Aufmerksamkeit. Natürlich trauen wir Bewertungen von normalen Menschen besonders gerne. Gekaufte Bewertungen sind preiswerter als man denkt und vor allem erreicht man sein Ziel von mehr als 300 Bewertungen rasant schnell

Gibt es Bewertungssysteme, bei denen nicht so leicht manipuliert werden kann?

Ja. Eindeutig ja. Die Kosten gutes Geld, aber es lohnt sich. Es sind ehrliche Bewertungen von echten Kunden. Ein derartiges Bewertungssystem für Firmen ist beinahe Pflicht. Ich kenne nur das System ProvenExpert.

 

Schalter im Hirn für den rosaroten Internetfilter

Es wird schlimmer werden mit Bewertungsmanipulationen. Zum einen, weil wir Verbraucher viel zu leicht zu manipulieren sind und offensichtlich nicht bereit sind, das Hirn eingeschaltet zu lassen. Vor allem, wenn wir uns im Internet bewegen. Als wenn wir einen Schalter umlegen, der einen dauerhaften rosaroten Filter für das Internet zaubert. Wird schon stimmen was da steht.

Zum anderen, weil zum Beispiel die Super-Duper Suchmaschine Google diejenigen bevorzugt, die auf den digitalen Marktplätzen Bewertungen vorweisen können. Natürlich reicht das allein nicht. Google wird sich wehren, wenn man so etwas behauptet. Es braucht für die Sichtbarkeit im WWW selbstverständlich eine Reihe von technischen Maßnahmen, um Google Anforderungen an eine inhaltsvolle Webseite gerecht zu werden.

Merke! Google will immer nur unser BESTES. Kann sich jeder aussuchen, was das sein könnte.

Das „Belohnungssystem der Google Sterne“ ist auf diesem Niveau schlicht falsch. Früher oder später vertraut niemand mehr darauf.

 

Bewertungssysteme in der Offlinewelt

Ich gehöre nun zu der älteren Generation, die von manchem jungen Menschen (vielleicht) belächelt werden. Ich bilde mir ein, die Onlinewelt und die Offlinewelt beurteilen zu können: Wie kauft der Verbraucher, ob jung oder alt, in der Offlinewelt? Welchem Bewertungssystemen vertrauen wir, wenn wir wahrhaftig durch die Stadt gehen, in Schaufenster blicken, in ein Kaufhaus gehen?

Versteht sich von selbst, dass wir die Waren einer optischen und haptischen Prüfung unterziehen. Das schafft vertrauen, weil wir selbst vorher prüfen können. Ja, wir selbst. Außerdem sehen wir eventuell den Verkäufer /die Verkäuferin, die uns freundlich bedient, oder auch nicht so freundlich ist.

Würden Sie kaufen, weil der Nachbar das für gut befindet? Würden Sie seinem Geschmack vertrauen, seiner sachlichen und kompetenten Urteilsfähigkeit vertrauen?

Ich vertraue anderer Leute Urteil nur, wenn es wirklich gute Freunde sind, denen ich obendrein eine gewisse Objektivität zutraue und einen guten Geschmack. Die meisten Kaufentscheidungen treffe ich nach einer eingehenden Prüfung, die ich selbst durchgeführt habe. Manchmal lasse ich mich auch verführen zu einem Kauf, aber das ist jetzt hier fehl am Platze…

Was davon ist in die Onlinewelt übertragbar?

Zugegeben, ich schaue auch auf Bewertungen, wenn ich etwas online bestelle. Woran könnte man sich sonst orientieren? Allerdings fließt die Gewichtung einer Bewertung, ob gute oder schlechte Bewertung, nicht mehr stark in meine Kaufentscheidung ein. Ich achte lieber darauf, dass die Webseite echt ist und ich keinem Fake-Shop aufsitze. Außerdem möchte ich umtauschen können bei Nichtgefallen. Problemlos. Schließlich kann ich nicht anfassen, riechen, die Farben wahrnehmen wie sie wirklich sind und viele andere Faktoren unterscheiden sich dramatisch von echten Kaufhäusern.

Bei Dienstleistern könnte ich anrufen. Mit dem Inhaber sprechen. Mal hören, wie der sich anhört, oder die Mitarbeiter auf meine Wünsche eingehen.

Kann ich erkennen, ob ich einer echten oder einer gekauften Bewertung vertraue?

Nein, wir Internet-Einkäufer können das nicht erkennen. Misstrauisch werde ich, wenn allzu detailverliebt geschildert wird. Aber auch diese Eigenheit wird mittlerweile von den Auftragsbewertern (die nennen sich so) berücksichtigt. Nur die Internetplattformen können Bewertungsbetrügern auf die Spur kommen und es gilt immer: Wo kein Kläger – da kein Richter.

Ich weiß, wie wichtig Bewertungen von ganz normalen Menschen sind. Andererseits frage ich mich, wer die ganz normalen Menschen sind. Die kenne ich gar nicht. Das sind nicht immer die netten Menschen, mit denen ich mich im wahren Leben abgebe. Da sind schon verschrobene Gestalten dabei mit Meinungen und Blicken auf die Welt, mit denen ich nichts zu tun haben möchte. Ausgerechnet die sind im Bewertungspool dabei. Okay, muss ich mit leben.

Es ist meine Entscheidung, ob ich mich von Google-Sternen leiten lasse.

Google Sterne und Internet-Bewertungen sind maßlos überbewertet. Vielleicht weil wir unsicher sind, vielleicht weil wir nur zu gerne glauben wollen, dass flächenweise intelligente Menschen mit objektiver Urteilsfähigkeit unterwegs sind. Längst haben wir zu einem Teil unsere Kaufkontrolle an den Nagel gehängt. Das wissen die Online-Händler und ziehen alle Register inklusive manipulierten und gekauften Bewertungen.

Das diese Sterne so wichtig geworden sind liegt daran, dass wir Käufer sie so wichtig nehmen. Auch ein „Daumen hoch“ ist auch eine Bewertung und die Sterne unter diesem Beitrag ebenfalls.

 

Das Gendern geht mir auf die Nerven und gegen mein Sprachgefühl

Das Gendern geht mir auf die Nerven und gegen mein Sprachgefühl

Das Gendern geht mir auf die Nerven und gegen mein Sprachgefühl

 

Mir erschließt sich nicht der Sinn der feministischen Sprachkritik. Ich könnte nur noch würgen.

Ist euch auch aufgefallen, dass Politiker und viele andere Personen des öffentlichen Lebens, allen voran unsere öffentlichen Sendeanstalten, sich fast dabei verschlucken, wenn sie gendern? Es bleibt ein Gestammel von Genossen und Genossen, Politiker und Politiker. Das …innen hört man kaum noch. Ich finde, wenn schon gendern, dann deutlich sprechen bitte.

Die absolute Spitze ist allerdings, dass das Sternchen jetzt mitgesprochen wird. Am Ende höre ich nur noch die weibliche Form.  Es gibt nur noch Bürger*innen, Polizist*innen, Lehrerinnen, Besitzerinnen, Fahrerinnen etc. Ist das nicht unglaublich?

Ich bin eine Frau. Wenn ich das …innen am Ende nicht höre, fehlt mir nichts.  Aber schreien könnte ich, wenn Frauen wieder einmal für gleiche Arbeit schlechter bezahlt werden.

 

Da wird man sich schon dran gewöhnen, heißt es.

Ach ja? Wahrscheinlich stimmt das sogar. Die Deutschen gewöhnen sich an alles, oder? Ich würde mich aber viel lieber daran gewöhnen, dass überall gleicher Lohn für gleiche Arbeit bezahlt wird. Wäre das nicht viel gerechter als das bescheuerte Gendern? Behandelt man die eine Hälfte der Bevölkerung besser, in dem man gendert?

Ich bin mit Alice Schwarzer und der Emma-Zeitschrift groß geworden.

Ausgesprochen selbstbewusst war die Erziehung meiner Eltern. In meiner Kinderstube gab es für mich Autos, Chemiebaukästen, aber auch Puppenstube und ja, die Farbe ROSA. Einiges habe ich aus dieser Zeit mitgenommen – auch die über 30 Jahre alte feministische Sprachkritik. Ich verstehe auch, dass man 50 Prozent der Bevölkerung in der Sprache wiedererkennen sollte.

Doch was passiert jetzt im Moment. Ich höre nur noch die weibliche Form, weil das Gendersternchen „mitgesprochen“ wird. Höre ich das eigentlich nur. Wo sind die Männer, die jetzt aufschreien und reklamieren. So geht´s doch auch nicht.

Die Forderungen der feministischen Linguistik begann Ende der 1970er/Anfang der 1980er Jahre. Da war ich so Mitte 20. Luise Pusch, eine der Begründerin dieser Ideologie, schrieb u.a. und ich zitiere wörtlich „der Mann braucht dringend eine Abmagerungskur zur Therapie seines immer gefährlicher werdenden Größenwahns“. Frau Pusch sprach damals vom täglichen Frauenmord (Gynozid) durch die Sprache. Sie forderte die totale Feminisierung.

An dieser Stelle höre ich auf, darüber nachzudenken, was Frau Pusch so alles absonderte. Lest selber mal nach und macht euch eigene Gedanken.

Einen Artikel über Luise Pusch gibt es hier https://www.emma.de/artikel/luise-pusch-die-frauensprachlerin-313069

Ich gebe zu bedenken: Hätte Frau Schwarzer und Ihre Kolleginnen nicht so gekämpft und hier und da übertrieben, auch für meinen Geschmack, wäre wahrscheinlich von der feministischen Bewegung gar nichts geblieben. Ich war eine glühende Verehrerin von Alice Schwarzer und Gefolge. Manchmal bedarf es der Überdimensionierung, damit am Ende etwas herauskommt. Rückblick nur deshalb, weil ich die Ursprünge dieser Sprachpolitik mitbekommen habe.

Hat Sprache damit zu tun, wie wir heute das Frauenbild in dieser Gesellschaft wahrnehmen ?

 

Mit einer immer größer werdenden Vehemenz versucht man seit Jahrzehnten, die ungleiche Behandlung von Frauen in der Gesellschaft mit einer Sprachideologie zu bekämpfen. Eine andere soziale Realität wird sich meiner Meinung nach nicht durch eine andere Sprache einstellen. Im Gegenteil. Ich finde es sehr hinderlich.

Wenn es Vorurteile gibt, nützt das bloße Austauschen von Worten gar nichts. In meiner Berufswelt wurden noch „Behinderte“ oder „Invaliden“ eingestellt. Das durfte man irgendwann nicht mehr sagen. „Mensch mit Handicap“ oder „Mensch mit besonderen Bedürfnissen“ war richtiger. Hatte allerdings jemand Vorurteile gegen einen behinderten Menschen, so waren die Vorurteile nicht verschwunden wegen eines anderen Begriffes. Vielmehr wurde der neue Begriff des Öfteren veralbert.

Heute fühle ich mich gegängelt. Bevormundet, was meine eigene Sprache angeht. Das Lesen so mancher Texte, vor allem Behördentexte, sind mir zu wider. Mir ist schon klar, dass bestimmt Anträge auch gar nicht verstanden werden sollen, um die Hürden besonders hoch zu legen. Jetzt kommt das Gendern noch dazu und viele Texte sind allein deshalb kaum noch zu verstehen. 

Besitze ich noch die Freiheit meine Meinung in der Sprache zu äußern die ich will?

Habt ihr gewusst, dass an manchen Universitäten gegendert werden muss ? Arbeiten von Studierenden müssen gegendert werden, weil sonst Punktabzüge drohen, sie schlechter beurteilt werden? Wo führt das hin?

Wo wird gendern erzwungen? Für mich ganz klar: Fast überall dort, wo Vater Staat die Finger drin hat. Achtet mal auf eure diversen Bescheide des Finanzamtes, Krankenkassen, auch Versicherungen. Das staatsnahe Fernsehen mit seinen Journalisten verbiegt sich sprachlich zunehmend.

Leider habe ich keine Kinder, so kann ich den Schulbetrieb nicht nachempfinden. Vielleicht habt ihr die eine oder andere Stilblüte in den Kommentaren für mich. Interessiert mich wirklich, was die Schule zum Gendern so umtreibt.

Dieses Gendern von OBEN nervt. Ich kann es nicht mehr hören, und wenn ich es trotzdem hören muss, dann bitte sprecht es wenigstens deutlich aus, liebe Politikerinnen und Politiker, Genossinnen und Genossen. Soviel Zeit muss sein.

Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist wirklich minimal. Ich glaube, dass ich keine Ausnahme darstelle mit meiner Aversion gegen das Gendern.

 

Ich bin emanzipiert – habe das garantiert nicht dem Gendern zu verdanken

Vielmehr habe ich selbst darum gekämpft. Als Frau musste ich mich im Job mehr behaupten, als irgendein Mann in gleicher Position. Ich habe immer mehr gearbeitet als Männer in gleicher Position.

Als ich mich in der PC-Branche selbständig machte, war ich in Hessen wahrscheinlich eine der wenigen Frauen in dieser Branche. Wie oft hörte ich vor 20 Jahren: „Also Mädchen (ich war damals 40 !!!), ob du das kannst? Festplatten einbauen? Arbeitsspeicher austauschen? Weißt du überhaupt wofür die Funktionstasten da sind?“ Solche und andere brüllende Unverschämtheiten haben wir nicht der Sprache zu verdanken, sondern dummen Männern (sorry dafür), die in diesem Leben den Schuss nicht gehört haben.

Im Gegenzug habe ich Männer kennengelernt, schlaue Männer, die mich in meinen Vorhaben unterstützten, wie sie das auch für ihr eigenes Geschlecht getan hätten. Im Bild zu erkennen ist Fatih Gey, ein schlauer Informatiker. Er unterstützte mich auch anlässlich einer Messe im Jahr 2003 (Bild oben). PC-Arbeiten übe ich heute teilweise noch aus.

Was soll das Gendern? Was soll damit erreicht werden? Doch nicht etwa eine Änderung der Menschen? Eine Art Umerziehung, damit Frauen in dieser Gesellschaft den Platz einnehmen können, der ihnen gebührt? Was will die feministische Sprachideologie, die in meinen Augen sexistisch ist. Deswegen sexistisch, weil jeder Satz auf die Geschlechterebene gehoben wird. Ohne Unterlass wird das biologische Geschlecht in den Vordergrund gerückt. Ätzend. Einfach nur ätzend. Ich könnte mich stundenlang darüber aufregen.

Wollen die feministischen Sprachideologen einen neuen Menschen?

Wer Sprache mit der Absicht, nämlich eines veränderten Bewusstseins, umgestalten will, betreibt eine Art der Umerziehung. Das behaupte ich. Ein Aspekt, der mir die neue Sprache des Genderns höchst suspekt macht. Wollen die feministischen Sprachideologen einen neuen Menschen? Das ist zumindest ein Merkmal jeder Ideologie. Es ist immer mit Sprachpolitik einhergegangen, wenn es um die Schaffung eines neuen Menschen ging. Hatten wir das nicht schon öfter in der Vergangenheit?

Ich bin ein ausgesprochener Science Fiction Fan (oder Fanin?). Deshalb kommt mir George Orwells Roman „1984“ in den Sinn. Orwell hat im Anhang sehr gut erklärt, was mit es mit Newspeak (oder Neusprech) auf sich hat. Wer mehr darüber lesen möchte, schaut auf Wikipedia nach. Neusprech oder Newspeak verlinke ich hier: https://de.wikipedia.org/wiki/1984_(Roman)#Neusprech Ich habe den Film vor meinem geistigen Auge und höre so manche Wörter. Lohnenswert, sich damit zu beschäftigen. Die jüngeren Leser werden erstaunt sein, welche gruseligen Vorhersagungen bereits Wirklichkeit sind.

Man sollte wissen, was das generische Maskulinum ist.

Dafür habe ich auch einen Link und wer mag, tut sich das an: https://sciencefiles.org/2014/02/04/kann-man-so-dumm-sein-teil-ii-generisches-maskulinum-und-wikipedia/ Ich erspare mir an dieser Stelle, darauf ausführlicher einzugehen, weil es die Länge des Beitrages sprengt und ich ehrlich gesagt, davon zu wenig Ahnung habe. Ich hatte aber eine gute Schulbildung und eine ausgeprägte Herzensbildung. Das zusammen führte mich eventuell an die gefühlte Sprache. Sprache ist mehr als nur Worte. Sprache transportiert alle Schwingungen unseres Daseins. Der eine spürt sie, der andere nicht.

Von oben wird uns das Gendern aufgedrückt. Es drückt – ich habe das Wort extra benutzt. Es ist niederschmetternd. Im deutschsprachigen Raum wird viel darüber gestritten und die Sprachverwirrungen treiben Blüten, wie das sonst nur das subtropische Klima eines Regenwaldes schafft.

Es gibt zwei biologische Geschlechter und drei Genera (der, die, das). Es gibt auch Sprachen mit keinem Nominal Genus System: Türkisch! Jawohl – TÜRKISCH

Hätte unsere Sprache eine diskriminierende Wirkung, dann müsste die türkische Gesellschaft, die das Maskulinum nicht kennt, eine besondere Gleichberechtigung vorweisen können, oder?

Alle Formen des Genderns sind in sich widersprüchlich und nicht durchgehend anwendbar

Das Gendern scheitert an den Grenzen der Praktikabilität und Logik, aber vor allem an der Akzeptanz. Es gibt keine Vorteile, aber sehr viel unsinnige Formulierungen, die in die Irre führen. Das sinnerfassende Lesen ist teilweise unmöglich.

Was stellst du dir vor unter drei Lehrerinnen und Lehrern? Ja ernsthaft gefragt. Vielleicht 3 Lehrerinnen und 3 Lehrer, wären zusammen dann 6 Lehrerinnen und Lehrer, oder doch 12? Wir werden mit unsinnigen Sätzen konfrontiert, als sei es das Normalste der Welt. Und keiner meckert, keiner regt sich auf.

 

Schreibweisen?

Nur 20 Prozent aller Managerinnen sind Frauen. So ein Bullshit. Bitte noch einmal lesen, wenn dieser Nonsens nicht aufgefallen ist.

Die LehrerInnen mit dem großen I geschrieben, auch „binnen I“ genannt. Was bedeutet LehrerInnen eigentlich? Ist das „die“ davor überhaupt richtig? Ich habe noch gelernt, dass die Lehrer, die Pauker, immer in beiden Formen gemeint sind. Aber das ist neuerdings falsch. Beide meinen geht nicht. 

Das Handelsblatt schreibt statt binnen I ein Sternchen, also Lehrer*innen. Die Verwendung des Gender-Sterns ist bei den Grünen seit November 2015 (oder 2016) Pflicht. DIE GRÜNEN MAL WIEDER. Einen entsprechenden Beschluss fasste die Partei auf einem Bundesparteitag. 

Starke und kluge deutsche Wörter werden durch wischi waschi Begriffe ersetzt 

Unsere Sprache wird durch das Gendern deformiert, unpersönlich und manchmal der eigentlichen Bedeutung der Worte beraubt. Das ist das schlimmste überhaupt.

Wenn aus einer Ausländerfrage vor lauter Gendern eine Migrationsthematik wird, dann ist die Bedeutung futsch. Eine Ausländerfrage ist eine Ausländerfrage und keine Migrationsthematik.

Was meine ich überhaupt? Es ist okay, wenn ich von „Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland spreche“.  Das halte ich aus. Weil aber eine Ausländerfrage schlecht zur Ausländerinnenfrage werden kann, wird´s kurzer Hand eine Migrationsthematik? Aber- innerhalb einer Migrationsthematik läßt sich keine Antwort finden. Merkt ihr den feinen Unterschied? Will man den Unterschied überhaupt merken, oder ist es politisch so gewollt starke Ausdrücke gegen schwache auszutauschen?

Starke und kluge deutsche Wörter werden durch wischi waschi Begriffe ersetzt, um der Sichtbarmachung der Frauen in der Sprache gerecht zu werden. Was für ein Opfer.

 

Wollen wir Frauen das?

Ich bin alles andere als schreibsicher, geschweige denn, grammatikalisch ein Ass. Aus dem Ruhrpott stammend, habe ich auch meine Probleme mit der „Dativ ist dem Genitiv sein Tod“. Ich habe weder Journalismus studiert noch bin ich Lehrerin. Trotzdem möchte ich allen gendernden Schreibern und Sprechern mal den Stinkefinger zeigen. Seid ihr denn noch zu retten?

Und den Frauen rufe ich zu: Wie bescheuert seid ihr eigentlich? Glaubt ihr wirklich, dass das Gendern in der Sprache euch sichtbarer werden läßt? Da müßt ihr schon andere Geschütze auffahren.

Mit dem Brustton der Überzeugung sage ich: Das Gendern ist eine Schlafpille für euch Frauen und eine Beruhigungspille für alle Männer, die glauben, Sie hätten jetzt genug für die Gleichberechtigung getan.

An die Politiker adressiere ich,  das Gendern zu lassen und für alle Frauen den gleichen Lohn für gleiche Arbeit gesetzlich durchzusetzen. Da hättet ihr wirklich eine gute Tat getan.

Alle Frauen haben ihren Beitrag zum Bruttosozialprodukt geleistet

Die, die Kinder erzogen haben, aber auch die, die kinderlos geblieben sind. Alle standen der Gesellschaft und dem Arbeitsmarkt voll zur Verfügung, wie die Männer auch, aber meistens für gar keinen oder einen viel geringeren Lohn. Müßig zu erwähnen, wie jetzt die Renten für die meisten Frauen aussehen. Schafft da mal Gleichberechtigung und lasst dieses bescheuerte Gendern, dass die Sicht auf die Frauen im Leben nicht verändern wird.

Wir haben in diesem Teil von Europa die beschissensten Renten.

1500 Jahre geschichtliche Entwicklung der deutschen Sprache

Der Kopf ist rund, damit die Gedanken besser kreisen können. Dann lasst es mal kreisen. 1500 Jahre geschichtliche Entwicklung der deutschen Sprache – denkt mal darüber nach! Stilistische Bereicherungen in der Sprache sind mir herzlich willkommen, aber jeder Zwang in der Sprache, so wie er sich augenblicklich darstellt, erzeugt in mir einen Würgereiz.

Die Freiheit des Formulierens lasse ich mir jedenfalls nicht nehmen und werde auf das Gendern verzichten.

Ich bedanke mich für eure Aufmerksamkeit. Das ihr es bis hierhin geschafft habt…Chapeau!

Weitere Links zum Thema

https://geschicktgendern.de/neu-im-duden/

Kinder-Horror-Kur im Adolfinenheim, Borkum

Kinder-Horror-Kur im Adolfinenheim, Borkum

Eine Kinder-Horror-Kur im Adolfinenheim auf Borkum

 

Ich war sechs Jahre alt, als ich eine Kinder-Horror-Kur im Adolfinenheim auf Borkum antrat.  Es dauerte weitere 6 Jahre, bis ich meinen Eltern mitteilen konnte, was mir Schlimmes widerfahren war. Da war ich 12 Jahre alt. Ich wollte meinen 6 jährigen Bruder vor einen „Kuraufenthalt“ schützen. Das gelang mir auch. Meine Eltern glaubten mir. Dann schwieg ich wieder. 50 Jahre später sitze ich hier und schreibe noch einmal auf, was mich damals bewegte. Was ich nicht wirklich vergessen kann, trotz aller Bemühungen. 

Eine Fernsehdokumentation setzte meine Erinnerungen in Gang

 

Mit Entsetzen sah ich eine Vorschau im Fernsehen. Die Vorschau handelte von einer Sendung „Exklusiv im Ersten: Gequält, erniedrigt, drangsaliert“. Im Abendprogramm ausgestrahlt.

Ich schicke voraus. Diese Sendung habe ich mir nicht angeschaut. Von den wenigen Bildern und Worten in der Vorschau kam Verschüttetes aus dem Kopf zurück in mein Bewusstsein mit der Folge von 3 Nächten Schlaflosigkeit. Mit 6 Jahren war ich 1964 „Insassin“ im Adolfinenheim auf Borkum für unendliche 6 Wochen.

Heute ist Mittwoch, der 12. August 2020. Ich bin 62 Jahre alt und erinnere an meinen „Kuraufenthalt“ auf Borkum. Ich spüre den Drang nach diesen drei schlaflosen Nächten, aufzuschreiben was mich bewegt. Den Eltern kann ich es nicht noch einmal erzählen, weil sie verstorben sind. Aber ich kann wenigsten sagen, dass ich etwas erzählt habe, damals mit 12 Jahren, um meinen Bruder vor einem ähnlichen Schicksal zu beschützen. Meine Eltern glaubten mir, zumindest habe ich das damals so empfunden. Ich wurde ernst genommen. Was ich schilderte, konnte man sich nicht ausdenken. Kein zwölfjähriges Mädchen denkt sich so etwas aus.

Nach dieser Kur hatte ich Glück, von liebevollen Eltern weiter aufgezogen zu werden. Ich schildere in diesem Beitrag die wenigen Erinnerungen an diesen Horroraufenthalt im Adolfinenheim. Das ist gar nicht so einfach, denn ich habe es meisterhaft verstanden, Erinnerungen zu verdrängen.

Was empfinde ich, wenn ich zurückdenke?

 

Grenzenloser Hass macht sich breit, Abscheu und Wut – bis heute.

Ich war nie wieder auf irgendeiner Nordseeinsel. Als ich im Internet auf einer Webseite https://verschickungsheime.de/ las, dass man sich auf Borkum trifft, schrie ich förmlich hinaus: „Nein, Never, niemals werde ich einen Fuß auf Borkum setzen“. Das hatte ich mir damals geschworen, als ich dort war, im Adolfinenheim auf Borkum.

Ich wurde krank. So krank, dass man mich von den anderen Kindern isolierte. Gleichzeitig hatte ich in dieser Isolation mehr Ruhe. Keine brüllende Schwester, die mir Strafen androhte, wenn ich es wagte den Mund aufzumachen, oder die Augen nicht schließe. Wenn ich erbrach, musste ich das nicht aufwischen.

Man wollte (oder konnte?) mich nicht in den Zug setzen.

Meine Mutter erzählte mir später, dass ein Anruf des Heimes meinen Vater und sie in Aufruhr versetzte. Man könne mich nicht auf die Heimreise schicken, weil ich krank geworden bin. Meine Mutter hat ihren Horst noch nie so schnell in den Anzug springen sehen. Komm Weib, dann holen wir unser Kind. Keinen Tag länger bleibt sie fort.

Wie alles begann

 

Eine schwere Lungenentzündung zwang mich 6 Wochen in ein Krankenhaus. Davon 2 Wochen auf Isolierstation. Der behandelnde Arzt brachte meinen Eltern näher, dass ich am besten weiter gesunden könnte, mit einer Luftveränderung an der Nordsee. Die Wahl fiel auf das Adolfinenheim auf Borkum. 

Meine Erinnerungen sind Bruchstückhaft. Ich weiß nicht, ob ich dort mit einem Zug und anderen Kindern abgeliefert wurde, oder ob mich meine Eltern gefahren haben. Bei der Ankunft , die Eltern waren fort, wurde mir alles abgenommen.

Alles Aufessen bis zum Erbrechen

 

Ich mochte partout keinen Fisch. Da lag einer auf meinem Teller. Er schien zu leben, weil er mich ansah. Für meine Augen beängstigend, dass mich ein Fisch ansah, den ich jetzt auch noch essen sollte. Natürlich lebte der Fisch nicht mehr, aber ich bekam ihn nicht herunter. Hinter mir blieb die Schwester stehen und ohrfeigte mich: „Iss das auf. Du musst das Essen. Das ist gesund und gutes Essen für Dich, verwöhnte Göhre“. Ich aß und würgte und erbrach auf dem Klo.

Dahin hat man mich gehen lassen, nachdem der Fisch aufgegessen war. Ich habe einen langen und endlosen Gang bis zu den Toilettenanlagen vor meinem geistigen Auge. Mir war so übel und meine Angst wuchs mit jedem Schritt, mich auf dem Flur übergeben zu müssen.  Ich hatte gesehen, was mit Kindern geschah, die sich im Speisesaal übergaben. Sie mussten das Erbrochene aufessen. 

Ich habe lange Zeit nichts gegessen, wenn zuvor jemand sagte: Mmh, das ist aber ein gesundes Essen. Für mich war das kein Grund, eine Mahlzeit zu mir zu nehmen. Im Gegenteil. Man kann sagen, ich hasste gesundes Essen.

 

Schuhe putzen

 

Jeden Tag. Oberfeldwebelhafte Abnahme. Und wehe, die Putzorgie hinterließ einen Fussel auf dem Schuh. Dann gab es wieder Ohrfeigen und weiterputzen.

 

Nackt auf dem Flur stehen.

 

Es war kalt. Ich wusste nicht, wofür ich bestraft wurde. Vor allem nackt. Ich wollte sterben.

 

Briefgeheimnisse, Päckchen aufteilen, Besuchsverbot

 

Keine Besuche, keine Briefe und alles wurde geteilt.

Bestrafung für Päckchen, die von den Eltern ankamen. Warum wurde man dafür bestraft wurde, wenn ein Päckchen von zuhause ankam? Ich freute mich so sehr. Hatten meine Eltern mich doch nicht ganz vergessen. Wie dankbar ich war für diesem kleinen Moment. Ein Päckchen von meinen Eltern nur für mich.

Es war eine Bestrafung für mich, wenn der Inhalt einfach an andere Kinder verteilt wurde. Es ging allen Kindern so. Meistens bekam ich vom Inhalt nichts zu sehen. Ich habe heute noch vor meinen Augen, wie diese Folterschwestern mein buntes, liebevoll eingepacktes Paket aufrissen und beim Mittagessen an alle Kinder den Inhalt verteilten. Zum Schluss blickte eine Schwester hinein, schaute mich an mit einem erstaunten Gesicht und sagte: „Oh, nichts mehr drin“. Ich ging leer aus.

Das allerschlimmste war Heimweh, Einsamkeit und Todesängste

 

Heimweh, nächtelanges Heulen, kein liebes Wort, kein Lächeln, nur Schimpfe den ganzen Tag. Ich habe gefroren. Immer nur kalt, Innen wie Außen. Stumm musste man sein, am besten unsichtbar. Heute bin ich von einem Gefühl erfüllt, wenn ich an diese Zeit nur denke, das ich mit einer Art Todesangst bezeichne. Ich dachte wirklich, das ist das Ende und ich müsse bald sterben.

Ich fühlte mich einsam und verlassen. Warum haben mir meine Eltern das angetan? Ich schmiedete Rachepläne, die mich noch lange beschäftigten. Rache an meinen Eltern und noch mehr Rache an dem verhassten Schwestern im Adolfinenheim.

Ich resignierte und wurde krank. Den Grund kenne ich nicht, an was ich erkrankte weiß ich auch nicht. Ich kann mich an Fieber erinnern. Das hatte den Vorteil, dass mir endlich warm wurde. Die Krankheitstage im Adolfinenheim sind ein großes schwarzes Loch.

Plötzlich war ich zuhause

 

Ich schwieg bis zu meinem 12. Lebensjahr. Mein Bruder wurde 6 Jahre alt. An seinem Geburtstag bat ich meine Eltern:“ Bitte, bitte, schickt Andi niemals in ein Heim. Niemals. Das dürft ihr nicht tun. Bitte versprecht es mir“. Ich habe sie angefleht. Daraufhin fragten sie natürlich, was denn passiert sei und ich erzählte von meinem Heimweh, von den schrecklichen Schwestern und dem nassen Handtuch, den Päckchen, den Ohrfeigen.  Anschließend bat ich sie darum, nie wieder ein Gespräch darüber zu führen. Alles war so schrecklich, dass ich es vergessen möchte.

Eltern erzählen von ihren Eindrücken, als ich wieder daheim war

„Mamma und Papa haben dich in Kur geschickt, damit du dich von deiner Lungenentzündung erholst. Du solltest bald in die Schule gehen und ein wenig Kräftigung konntest du vertragen. Zurückgekommen ist ein krankes und schwaches Kind, so krank, dass wir die Einschulung um 1 Jahr verschieben mussten.

Wir haben dir einen neuen Schreibtisch gekauft, weil du nun bald zur Schule gehen solltest. Die Reaktion darauf, war für meine Eltern enttäuschend. Ich freute mich nicht. Es gab eine kurze und knappe Reaktion: „Den kannste behalten, das ist jetzt egal“.

Du wolltest nicht essen. Vor allem keinen Fisch. Du hast dich häufig übergeben, meistens nach dem Essen. Wir hatten Angst um dich. Wir gingen zur Tante Elsbeth (Bochum). Sie hatte einen großen Garten, in dem ich mich immer so wohl fühlte. Hier empfand ich offenbar Ruhe und die liebenswerte Art von Tante Elsbeth und Onkel Willi tat mir gut. Onkel und Tante waren beide psychologisch vorgebildet und machten sich ebenfalls große Sorgen. Was ist mit dem Kind los?

Papa wollte eine Anzeige machen wegen Misshandlungen. Er sprach davon, dass es doch nicht normal sei. So war unsere Tochter doch nie. Sie machten sich beide sehr große Vorwürfe, mich allein gelassen zu haben. Er ging zu einem Anwalt, der ihn aber nicht unterstützte, sondern von einer Anzeige abriet. Mein Vater hatte nur Briefe vorzuweisen, die von Schwestern geschrieben wurden. (ich konnte noch nicht schreiben). Die sahen positiv aus. Wer glaubt einer Sechsjährigen? Die Zeit 1964 war nicht reif für so ein Vorgehen.

Wenn ich als Kind eher gewusst hätte, wie wichtig das Reden ist

 

Dass ich einigermaßen selbstbewusst meinen Weg ging, habe ich auch der Akzeptanz meiner Eltern zu verdanken.

Ich war lange böse auf die Eltern. Insgeheim sehr lange. Ein renitentes Kind. Mein Bruder kam kurze Zeit später nach meiner Rückkehr auf die Welt. Ein Lichtblick der Kleine. Andreas wollte ich beschützen. Das war meine Aufgabe. Und später, als ich zwölf wurde und mein Bruder 6 Jahre alt war, habe ich erzählt. Einmal und dann nie wieder. Meine Eltern glaubten mir. Das hat geholfen, meinen Frieden zu finden.

Wenn ich als Kind eher gewusst hätte, wie wichtig das Reden ist, wäre es damals schon aus mir herausgesprudelt. Aber ich war so eingeschüchtert und ängstlich. Kein Wort entrinn meinen Lippen. Ich war stumm wie ein Fisch.

Habe ich Schaden davongetragen?

 

Ich weiß es nicht. Ohne psychologisches Hintergrundwissen wage ich zu behaupten: JA, auf jeden Fall.

  1. Ich fühle den gleichen Widerstand in mir, wenn mir jemand mit den Worten begegnet: „Ja, aber das ist doch gesund. Warum isst du das nicht?“ Ich könnte der Person, die so etwas sagt, eine Ohrfeige geben.
  2. Bei einem ganz bestimmten Geruch wird mir übel. Meistens in Krankenhäusern. Der Geruchsübeltäter heißt Vitamin B. Rieche ich diesen typischen Geruch, bekomme ich Beklemmungen. Ich befinde mich gerade wieder im Adolfinenheim.
  3. Das große Thema Vertrauen. Ich habe niemals wieder ein tiefes Vertrauen zu anderen Menschen fassen können. Auch nicht zu meinen Eltern. Ich habe sie geliebt, aber das Vertrauen war irgendwie fort.

 Blicke nicht zurück, gehe deinen Weg und vertraue nur dir selbst.

Schlusswort

 

Wenn ich von misshandelten Kindern höre, denen man noch übler mitgespielt hat, wie sexueller Missbrauch etc., dann kann ich nur ansatzweise erahnen, wie gezeichnet diese Kinderseelen sein müssen. Und fast schon schäme ich mich diese, meine Geschichte zu schreiben, denn wie viel schlimmer muss das Leid der missbrauchten Kinder sein?

Mir geht es gut, trotz Adolfinenheim vor 56 Jahren. Was nicht heißen soll, dass alles gut ist nach dem Motto: Geht doch. Ist doch nichts passiert.

Ungeheuerliches ist passiert. Wer übernimmt die Verantwortung?

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